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Computer gehackt, was tun? Wenn Betrüger per Fernzugriff auf PC oder Handy waren

Die Polizei Köln warnt vor Anlagebetrug mit gefälschten Promi-Videos – oft lassen sich die Täter Fernzugriff auf den Computer geben. Was Sie jetzt am PC, am Smartphone und beim Bankkonto tun sollten.

Redaktion ASKQIT · Stand Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

Die Polizei Köln warnt in einer Pressemitteilung vom 12. Oktober 2026 vor der Betrugsmasche „Cybertrade Fraud“: Kriminelle schalten Werbeanzeigen mit gefälschten Talkshow-Videos, in denen Prominente angeblich lukrative Geldanlagen empfehlen. Wer über den Link seine Telefonnummer hinterlässt, wird nach wenigen Minuten angerufen und zu einer ersten Einzahlung gedrängt – laut Polizei beginnt es oft mit 250 Euro und wächst über Monate bis zu sechsstelligen Summen. Teil solcher Anrufe ist häufig die Bitte, ein Fernwartungsprogramm zu installieren, damit der angebliche Berater „helfen“ kann. Allein die Polizei Köln bearbeitete im Jahr 2025 mehr als 1.300 solcher Vorgänge. Wenn Sie Fremden Zugriff auf Ihren Computer oder Ihr Smartphone gewährt haben, gilt: Verbindung trennen, Fernwartungsprogramm entfernen, Passwörter von einem sauberen Gerät aus ändern, Bank informieren und Anzeige erstatten. Die Schritte im Einzelnen – und woran Sie die Masche erkennen, bevor Geld fließt.

Computer gehackt, was tun? Die ersten Schritte am PC

Sobald ein fremder Anrufer per Fernwartungsprogramm auf Ihrem Rechner war, müssen Sie davon ausgehen, dass er mehr getan hat, als Sie auf dem Bildschirm gesehen haben. Was in diesen Minuten im Hintergrund passiert ist, lässt sich von außen nicht erkennen. Behandeln Sie den Computer deshalb vorerst als nicht vertrauenswürdig:

  1. Trennen Sie die Internetverbindung. Ziehen Sie das Netzwerkkabel oder schalten Sie das WLAN am Gerät aus – wenn nötig mitten im Gespräch. Legen Sie auf, auch wenn der Anrufer drängt oder droht.
  2. Melden Sie sich an diesem Gerät nirgends mehr an. Kein Onlinebanking, kein E-Mail-Postfach, keine Passworteingaben, bis der Rechner geprüft ist.
  3. Entfernen Sie das Fernwartungsprogramm. Deinstallieren Sie das Programm, das Sie auf Anweisung des Anrufers installiert haben, über die Einstellungen beziehungsweise die Systemsteuerung. Notieren Sie sich vorher den Namen – er gehört in die Anzeige bei der Polizei.
  4. Lassen Sie ein aktuelles Schutzprogramm durchlaufen. Ein vollständiger Virenscan ist das Minimum. Er findet aber nicht jede Hintertür: Wenn der Zugriff länger dauerte oder der Anrufer Dateien heruntergeladen hat, ist das Neuaufsetzen des Systems der sichere Weg. Sichern Sie vorher Ihre persönlichen Dateien, aber keine Programme.
  5. Ändern Sie Ihre Passwörter – von einem anderen Gerät aus. Beginnen Sie mit dem E-Mail-Konto, denn darüber lassen sich fast alle anderen Zugänge zurücksetzen. Nutzen Sie dafür ein Gerät, auf dem der Fremde nie war.

Smartphone und Tablet: Zugriffs-Apps erkennen und entfernen

Auch auf Handys lassen sich die Täter schalten – über Apps zur Bildschirmfreigabe oder Fernwartung, deren Installation sie am Telefon Schritt für Schritt diktieren. Haben Sie so eine App auf Anweisung eines Anrufers eingerichtet, gehen Sie ähnlich vor wie am PC:

  • Schalten Sie WLAN und mobile Daten zunächst aus.
  • Sehen Sie die Liste der installierten Apps durch und löschen Sie alles, was Sie auf Zuruf des Anrufers installiert haben oder nicht zuordnen können.
  • Prüfen Sie in den Einstellungen, welche Apps Sonderrechte haben, etwa für Bedienungshilfen oder die Anzeige über anderen Apps – solche Rechte nutzen Fernzugriffs-Apps.
  • Ändern Sie die PIN und die Passwörter, die Sie am Gerät verwenden, und installieren Sie ausstehende System-Updates.
  • Nutzen Sie Banking-Apps auf diesem Gerät erst wieder, wenn Sie sicher sind, dass nichts Fremdes mehr darauf läuft. Im Zweifel hilft auch hier nur das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen – nach einer Datensicherung.

Bankkonto und Zahlungen: Schnell sein lohnt sich

Wenn Sie bereits Geld überwiesen oder Ihre Bankdaten preisgegeben haben, zählt jede Stunde:

  • Rufen Sie Ihre Bank an – über die Nummer auf Ihrer Karte oder der Bank-Webseite, nicht über eine Nummer aus dem Chat mit den Tätern. Schildern Sie den Fall; je nach Zahlungsweg lässt sich eine Überweisung noch anhalten oder zurückrufen. Lassen Sie Karten und Onlinebanking-Zugang im Zweifel sperren.
  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei. Das geht bei jeder Dienststelle und in den meisten Bundesländern auch über die Onlinewache. Nehmen Sie Kontoauszüge, Chatverläufe und die Namen der verwendeten Programme mit.
  • Zahlen Sie nichts nach. Die Polizei Köln beschreibt, dass angebliche „Auszahlungsgebühren“ verlangt werden, wenn Opfer ihr Geld zurückfordern – ausgezahlt wird danach trotzdem nicht. Auch kleine Rückzahlungen sind kein gutes Zeichen: Sie stammen laut Polizei häufig von anderen Geschädigten und sollen Vertrauen für höhere Einzahlungen schaffen.
  • Beenden Sie den Kontakt vollständig. Blockieren Sie die Nummern. Melden sich später angebliche Anwälte oder Ermittler, die gegen Vorkasse Geld zurückholen wollen, ist das in aller Regel die nächste Stufe derselben Masche.

Die Masche erkennen, bevor Geld fließt

Der Einstieg wirkt harmlos: eine Werbeanzeige im Netz, ein bekanntes Gesicht, ein Video aus einer vermeintlichen Talkshow. Laut Polizei Köln sind diese Videos Deepfakes – die Sendungen und Aussagen hat es so nie gegeben. Danach folgt der Anruf eines freundlichen „Beraters“, der kleine Gewinne vorrechnet und zur nächsten Einzahlung drängt. „Zeitdruck ist kein Qualitätsmerkmal einer Geldanlage, sondern ein Warnsignal“, schreibt die Polizei Köln dazu.

Die Verbraucherzentralen nennen weitere Warnzeichen für unseriöse Anlage-Plattformen: Der Anbieter meldet sich unaufgefordert per Telefon, Messenger oder über soziale Netzwerke. Es werden hohe Gewinne bei angeblich geringem Risiko versprochen. Im Online-Depot wachsen scheinbar die Gewinne, doch Auszahlungen werden verzögert, blockiert oder an neue Bedingungen geknüpft. Wer ein konkretes Angebot prüfen will, kann den kostenlosen und anonymen „Fake-Check Geldanlage“ der Verbraucherzentralen nutzen und sollte im Zweifel gar nicht erst investieren. Und grundsätzlich gilt der Rat der Polizei: Gewähren Sie niemandem Fernzugriff auf PC oder Handy, der sich unaufgefordert bei Ihnen meldet – ganz gleich, wie hilfsbereit er klingt.

Im Betrieb: Wenn es ein Firmengerät trifft

Trifft so ein Anruf einen Rechner im Betrieb, gelten die gleichen ersten Schritte – mit einem Unterschied: Handeln Sie nicht allein. Trennen Sie das Gerät vom Netzwerk, lassen Sie es ausgeschaltet beziehungsweise unberührt und informieren Sie sofort die Person, die Ihre IT betreut. Löschen Sie nichts auf eigene Faust: Protokolle und Spuren auf dem Gerät helfen dabei nachzuvollziehen, worauf die Täter Zugriff hatten – etwa auf Kundendaten oder das Firmenkonto. Zugangsdaten, die auf dem Gerät gespeichert oder eingegeben wurden, sollten zentral zurückgesetzt werden, bevor das Gerät wieder ans Netz geht.

Wenn Sie unsicher sind, ob nach einem Fernzugriff noch Schadsoftware auf Ihrem Computer oder Smartphone aktiv ist, lohnt sich ein Fachbetrieb, der das Gerät gründlich prüft oder sauber neu aufsetzt und gemeinsam mit Ihnen Passwörter, Konten und Datensicherung wieder in einen sicheren Zustand bringt.

Quellen

Allgemeine Information, ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

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