Daten retten & sichern

Festplatte defekt, Daten weg? Die ersten Schritte und was Sie jetzt nicht tun sollten

Wenn Fotos und Dokumente plötzlich weg sind, entscheiden die ersten Minuten. Welche Schritte ungefährlich sind, welche Fehler die Rettung verhindern und wann ein Labor nötig ist.

Redaktion ASKQIT · Stand Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

Wenn Daten verschwunden sind oder ein Laufwerk streikt, sind sie nicht zwangsläufig verloren. Was in den Minuten danach passiert, kann darüber entscheiden, ob sie zu retten bleiben: weiterarbeiten, formatieren, Programme installieren und immer wieder einschalten verschlechtern die Lage. Die wichtigste Regel lautet deshalb: nichts mehr auf das betroffene Laufwerk schreiben und bei ungewöhnlichen Geräuschen sofort ausschalten. Bei wichtigen Daten ohne Sicherung rät das BSI dazu, Fachleute einzuschalten, statt selbst zu experimentieren.

Erst einordnen: Was ist passiert?

Je nach Fall sind andere Schritte richtig. Ordnen Sie zuerst ein, was Sie beobachten:

  • Dateien versehentlich gelöscht: Das Laufwerk funktioniert, aber Ordner oder Dateien fehlen.
  • Laufwerk wird nicht erkannt, ist aber still: Die externe Festplatte oder der USB-Stick taucht nicht mehr auf, es gibt keine ungewöhnlichen Geräusche.
  • Laufwerk klackert, schleift oder piept: Das deutet auf einen mechanischen Schaden hin.
  • Wasser, Sturz oder Überspannung: Das Gerät ist nass geworden, heruntergefallen oder nach einem Gewitter ausgefallen.
  • Dateien lassen sich nicht öffnen, und es wird Geld gefordert: Das ist kein Datenverlust, sondern ein Sicherheitsvorfall durch einen Verschlüsselungstrojaner. Trennen Sie das Gerät vom Netz und lesen Sie unseren Beitrag zu Verschlüsselungstrojanern.

Die wichtigste Regel: nichts mehr schreiben

Wenn Sie eine Datei löschen, entfernt das Betriebssystem bei einer klassischen Festplatte nicht ihren Inhalt. Es markiert den Platz nur als frei. Endgültig verloren ist die Datei erst, wenn neue Daten darüber geschrieben werden. Das erklärt, warum Weiterarbeiten so gefährlich ist: Jeder Download, jedes Update und jede neue Datei kann genau den Platz belegen, auf dem Ihre verlorenen Daten noch liegen.

Bei SSDs ist die Lage schwieriger. Sie geben freigewordene Bereiche über eine Funktion namens TRIM selbst zur Bereinigung frei. Gelöschte Daten können dort deshalb schneller endgültig verschwinden.

Für beide gilt: Je weniger nach dem Verlust mit dem Laufwerk passiert, desto besser.

Was Sie jetzt nicht tun sollten

  • Nicht weiterarbeiten auf dem betroffenen Rechner oder Laufwerk, auch keine Downloads und keine Updates.
  • Keine Rettungssoftware auf das betroffene Laufwerk installieren. Wer ein Rettungsprogramm einsetzt, installiert es auf einem anderen Laufwerk oder startet es von einem externen Medium.
  • Nicht formatieren, auch wenn das System dazu auffordert.
  • Keine Prüf- oder Reparaturprogramme über das Laufwerk laufen lassen, wenn die Daten wichtig sind. Sie können dabei Daten verändern.
  • Nicht öffnen. Das Innere einer Festplatte ist staubempfindlich.
  • Nicht schütteln, nicht klopfen, nicht einfrieren. Diese Hausmittel kursieren im Netz und richten Schaden an. Das BSI rät ausdrücklich, Erschütterungen während des Betriebs zu vermeiden.

Erste Schritte, die gefahrlos sind

Dateien gelöscht

  1. Schauen Sie in den Papierkorb, auch in den Ihres Cloud-Speichers, falls der Ordner synchronisiert wird.
  2. Prüfen Sie, ob es eine Sicherung gibt, etwa über den Dateiversionsverlauf von Windows, Time Machine auf dem Mac oder eine externe Festplatte. Holen Sie die Dateien von dort zurück, statt am Original zu arbeiten.
  3. Gibt es keine Sicherung und sind die Daten wichtig: Rechner herunterfahren und nicht weiter benutzen.

Laufwerk wird nicht erkannt, ist aber still

  1. Probieren Sie ein anderes Kabel und einen anderen Anschluss.
  2. Schließen Sie das Laufwerk an einen anderen Rechner an.
  3. Prüfen Sie in der Datenträgerverwaltung, ob das Laufwerk dort auftaucht. Ändern Sie dort nichts und bestätigen Sie keine Aufforderung zum Initialisieren oder Formatieren.

Laufwerk klackert, schleift oder piept

Schalten Sie das Gerät sofort aus und lassen Sie es aus. Auch nicht „nur noch einmal kurz“ einschalten, um zu prüfen, ob es doch geht. Bei einem mechanischen Schaden kann jeder weitere Versuch die Oberfläche weiter beschädigen.

Wasser, Sturz oder Überspannung

Schalten Sie das Gerät aus, trennen Sie es vom Strom und laden Sie Akkugeräte nicht. Schalten Sie es nicht ein, um zu sehen, ob es noch geht.

Software oder Labor?

Rettungsprogramme können helfen, wenn das Laufwerk technisch in Ordnung ist und nur Dateien gelöscht wurden. Bei einem physischen Defekt, etwa einem mechanischen Schaden der Festplatte, kann Software nichts ausrichten. Solche Laufwerke werden in einem Reinraum geöffnet und bearbeitet.

Das BSI empfiehlt, sich ohne Erfahrung in der Datenwiederherstellung an Spezialisten zu wenden, die Daten im Labor retten. Es weist auch darauf hin, dass eine professionelle Rettung teuer werden kann, und rät, vorher abzuwägen, ob sich der Aufwand lohnt. Das hängt davon ab, wie wichtig die Daten sind und ob es sie noch an anderer Stelle gibt, etwa als Foto im Messenger oder als Anhang im E-Mail-Postfach.

Was ein Fachbetrieb von Ihnen wissen muss

Je genauer Ihre Beschreibung, desto besser lässt sich der Aufwand einschätzen:

  • Welches Gerät ist betroffen: Festplatte, SSD, USB-Stick, Speicherkarte?
  • Was ist passiert, und seit wann?
  • Welche Geräusche gab es?
  • Was wurde bereits versucht, und mit welchem Programm?
  • Welche Daten sind wichtig, und in welchen Ordnern lagen sie?
  • War das Laufwerk verschlüsselt, und kennen Sie das Passwort?

Und danach: sichern

Ein Datenverlust ist ein guter Anlass, eine Sicherung einzurichten. Das BSI beschreibt Schritt für Schritt, wie das unter Windows, macOS, iOS und Android mit Bordmitteln geht. Wie eine Sicherung aufgebaut sein sollte, damit sie auch im Ernstfall hilft, lesen Sie in unserem Beitrag zur 3-2-1-Regel.

Wann Sie aufhören sollten

Hören Sie auf, sobald das Laufwerk Geräusche macht, nach Wasser, Sturz oder Überspannung nicht mehr reagiert oder ein Rettungsversuch nicht auf Anhieb gelingt. Jeder weitere eigene Versuch kann die Chancen verschlechtern.

Wenn wichtige Daten ohne Sicherung betroffen sind oder das Laufwerk Geräusche macht, lohnt sich ein Fachbetrieb für Datenrettung, der den Schaden einschätzt, bevor weitere Versuche die Chancen verringern.

Quellen

Allgemeine Information, ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

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